Elefanten und Lernmotivation
im eLearning

Sina Burghardt · Tipps & Tricks · Zuletzt aktualisiert am 23. Februar 2021

Der Arbeitsalltag verändert sich immer schneller. Digitalisierung ist einer der Gründe dafür, hilft aber auch dabei, Unternehmensprozesse zu unterstützen. Auch wenn es um den erhöhten Weiterbildungsbedarf geht. eLearning hat sich als kostengünstige, effiziente und flexible Weiterbildungsmöglichkeit in Unternehmen etabliert. Aus Unternehmenssicht klingt das im ersten Moment perfekt. Wäre da nicht ein kleiner Haken: Die Motivation der Mitarbeiter*innen.

Häufig stellen Unternehmen eLearnings zur Verfügung, um ihren Mitarbeiter*innen zahlreiche Weiterbildungen zu ermöglichen. Die Angebote werden jedoch nicht wahrgenommen. Woran liegt das? Im folgenden Artikel beschäftigen wir uns mit den Gründen, die dazu führen, dass eLearning Angebote nicht genutzt werden und geben im Anschluss praxisnahe Tipps, wie Sie Ihre Mitarbeiter*innen doch noch für das digitale Weiterbildungsangebot begeistern können.

Lernmotivation im eLearning

Was haben Elefanten mit Lernmotivation zu tun?

Geht es darum, Entscheidungen zu treffen, stehen Menschen sich häufig selbst im Weg. Oder zwei Seiten treffen aufeinander: die Intuition und die Vernunft. Wie sieht es mit Ihren Neujahrsvorsätzen aus? Sind Sie auch jetzt nach den ersten vier Wochen noch dabei, sich gesünder zu ernähren, mehr Sport zu machen, haben noch nicht wieder angefangen zu rauchen und haben den inneren Schweinehund immer noch gut im Griff? Oder anders gesagt: Kümmern Sie sich als Reiter gut um ihren Elefanten? Wie bitte? Ja, genau. Der US-amerikanische Psychologe und Autor Jonathan Haidt hat die Theorie von Elefanten und Reiter entwickelt.

Die Theorie: Elefant und Reiter

Dabei steht der Elefant für unser Bauchgefühl, Emotionen, Reflexe, unsere Intuition. Alles das, was im Unterbewusstsein abläuft. Der Reiter hingegen ist das Bewusstsein und kontrolliert. Er ist vernünftig, betrachtet und kommuniziert auch die Dinge, die nicht unmittelbar sichtbar sind. Ein kleines Beispiel: Der Wecker am Morgen klingelt. Der Elefant drückt am liebsten nochmal auf den Snooze-Knopf, wohingegen der Reiter sagt: „Nichts da! Ich stehe jetzt auf!“

Auf das Lernen und die Fortbildung bezogen, weiß der Reiter, dass es sinnvoll ist. Aber er muss es dem Elefanten noch erklären. Ziel des E-Learnings sollte es also sein, den Elefanten glücklich zu machen, sodass das Lernen zum Selbstläufer wird. Wir wollen also erreichen, dass Schulungsteilnehmende selbstständig lernen wollen und nicht lernen müssen.

Motivation und Aufschieberitis: Appetenz vs. Aversion

Aber was motiviert uns? Wie schaffen wir es, eLearning-Teilnehmende zum Lernen zu motivieren?
Ein kleiner Exkurs. Motivation bezeichnet zunächst einmal die Gesamtheit aller Beweggründe, die uns zur Handlungsbereitschaft führen. Welche Beweggründe dazu führen, dass wir unsere Ziele verfolgen, damit befasst sich die Motivationspsychologie. Und die schauen wir uns hier einmal ganz knapp und grundlegend an.

Motivationsmotive

Motivationstheorien: Subjektive Orientierung

Motivationskonflikte

Der Sozialpsychologe Lewin hat schon in den 1930er-Jahren Motivationskonflikte unterschieden. Konflikte in Bezug auf Motivation entstehen demnach durch Appetenz (also Anziehung, Streben, Verlangen, Drang oder Sehnsucht) und Aversion (das Bedürfnis unangenehme Dinge zu vermeiden). Appetenz bedeutet immer, dass am Ende etwas Positives auf uns wartet, eine Belohnung. Dass wir für unser Verhalten oder unsere Taten belohnt werden, sorgt dafür, dass wir die Situation, die uns zur Belohnung geführt hat, immer wieder aufsuchen. Und genau das wollen wir auch für unsere eLearning Kurse erreichen.

Aber wenn ein positives Ergebnis schon die Lösung für unsere Motivation ist, welche Motivationskonflikte gibt es?

  1. Appetenz-Appetenz-Konflikt
  2. Zwei Alternativen, die beide ein positives Ergebnis erwarten lassen, sich aber gegenseitig ausschließen.

  3. Aversion-Aversions-Konflikt
  4. Zwei unerwünschten Alternativen, aus denen eine gewählt werden muss.

  5. Appetenz-Aversions-Konflikt
  6. Hier muss sich für eine Sache entschieden werden, die sowohl positive als auch negative Seiten beinhaltet.

  7. Doppelter Appetenz-Aversions-Konflikt
  8. Zwei Alternativen, die beide sowohl positive als auch negative Seiten aufweisen.

Zurück zu unserem Elefanten und Reiter. Die Entscheidungen für uns trifft immer der Elefant, denn allein er – unsere Intuition – hat eine Verbindung zum Bewertungszentrum, das zwischen angenehm und unangenehm entscheidet. Das heißt aber nicht, dass der Elefant allein für die Entscheidungen verantwortlich ist. In der Regel funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Elefanten und Reiter nämlich ganz gut. Denn der Reiter hat immer die Möglichkeit, dem Elefanten Vorschläge zu machen, auf die er selbst nicht gekommen wäre – er kann nämlich Abwägungen mit einbringen, die in die Zukunft schauen. Während der Elefant nur die Unmittelbarkeit seiner Entscheidung überblickt.

(Lern-)zwang vs. Selbstdisziplin

Wir wollen erreichen, dass die Lernenden sich nicht gezwungen sehen, die eLearnings abzuschließen, sondern viel mehr an ihre Selbstdisziplin zu appellieren. Aber wie funktioniert Selbstdisziplin eigentlich?

In einem Experiment wurden die Teilnehmenden aufgefordert, sich eine Zahl zu merken – verglichen wurden eine 2-stellige und eine 7-stellige Zahl – im Anschluss konnten sie sich zwischen einem Stück Obst oder Kuchen entscheiden. Was denken Sie, wie das Ergebnis aussah? Richtig, die Teilnehmenden, die sich die 2-stellige Zahl merken sollten, wählten mehrheitlich das Obst, die andere Gruppe entschied sich für den Kuchen. Ihre Selbstdisziplin war schon beim Merken der Zahl aufgebraucht.

Unsere Selbstdisziplin ist begrenzt und nimmt im Laufe des Tages immer weiter ab. Entscheidungen zu treffen, uns auf ein Thema oder Projekt zu fokussieren oder aber auch unangenehme Dinge zu erledigen kostet uns Kraft. Je weniger Selbstdisziplin übrig ist, umso weniger Alternativen bietet der Reiter dem Elefanten an. Und dann übernimmt der Elefant die alleinige Leitung – wir vermeiden alles, was eventuell Unlust bereiten könnte und entscheiden uns lieber für etwas, das uns auf den ersten Blick direkt guttut. Die Langzeitbetrachtung lässt der Elefant außer Acht.

Motivierende eLearnings gestalten

Durch stetige Veränderungen im Arbeitsalltag und bestehender Prozesse ist das Wissen der Mitarbeiter*innen immer schneller überholt. eLearnings bieten hier eine ideale Grundlage, um alle immer auf dem neusten Stand zu halten. Dabei ist die fehlende Motivation der Mitarbeitenden aber häufig ein Hindernis.

Als Unternehmen wollen Sie für Ihre eLearnings den Idealzustand erreichen. Nämlich, dass Ihre Mitarbeiter*innen an Trainings teilnehmen wollen und diese nicht nur als Pflichtprogramm absolvieren. Demnach sollten Sie die eLearning Kurse ansprechend und motivierend gestalten. Am besten natürlich so, dass die Lernenden gar nicht genug bekommen können. Das klingt, als sei es unmöglich? Mit unseren Praxistipps starten Sie mit ein paar Handgriffen ganz einfach.

Sie wollen motivierende eLearnings gestalten?

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